Persönliche Eindrücke aus dem Spendenlager von Deggendorf – Juni 2013

Helfen

Oft habe ich mir bei Katastrophen wie Hochwasser, Zunami, Erdbeben oder auch einzelne Schicksalsschläge gedacht, da muss ich helfen, vor Ort sein, unterstützen, Hand anlegen. Doch blieb es bei dem Gedanken, beim wollen, mit Ausnahme von kleinen Unterstützungsmaßnahmen die eine Selbstverständlichkeit sind für mich.

Eine Geldspende gut, ein Anruf bei der Spendenhotline…dass Geld ist im Spendentopf. Kommt das Geld an? Wer erhält das Geld? Die Stadt, die Kommune, die Bürger oder doch ein großer Teil für die internen Aufwendungen der Spendenorganisation? Ich habe einen kleinen Beitrag geleistet, das Gefühl tatkräftig unterstützt zu haben, war nicht wirklich vorhanden.

Anfang Juni stieg der Wasserstand in Passau immer bedrohlicher an. Mit diesen Massen an Wasser hatte niemand gerechnet. Katastrophenalarm in Passau am 02.Juni. Weitere Tage mit Pressemeldungen in Rundfunk-und Fernsehen folgten. Berichte und Bilder von Menschen die Tag und Nacht Sandsäcke füllten. Neben THW, Feuerwehr etc, wurde nun auch die Bundeswehr aktiv.

Wir im Landkreis Dillingen und im Landkreis Günzburg kennen die Auswirkungen von Überschwemmungen durch die Donau. Jedoch im geringerem Ausmaß.

Als ich im Internet zu recherchieren begann, habe ich ein Video http://youtu.be/NF60x1ALNHI gesehen, dass mir das Ausmaß der Flut erst richtig bewusst machte. Über Facebook entdeckte ich die Seite des Kreisjugendrings Deggendorf, die gerade dabei waren ein Spendenlager in Parkhaus einzurichten https://www.facebook.com/video/embed?video_id=536841573040805. Am Sonntag 09.Juni war für mich klar, ich möchte vor Ort helfen. Mein Mann unterstützte mich bei meiner Idee und sagte auch zu mitzukommen. Bereits bei der Flutkatastrophe 2002 war mein Mann als ehrenamtlicher Helfer in Sachsen dabei bzw. organisierte Hilfslieferungen.

Effektiv und unbürokratisch „Deggendorf hilft“

Nachdem in Passau schon mit den Aufräumarbeiten begonnen wurde, Stand in Ortschaften von Deggendorf z.B. in Fischerdorf das ganze Dorf noch im Wasser. Die Informationen in Facebook vom Kreisjugendring Deggendorf, machte es leicht die Hochwasserhilfe von meinem Mann und mir zu organisieren. Da die Telefonleitungen ständig in der KJR Hotline belegt waren, schickte ich ein E-Mail und bat unsere Hilfe an. Innerhalb 40 Minuten bekam ich Rückantwort.

E-Mail vom KJR Deggendorf: „Liebe Frau Stöpfel, sehr sehr gerne. Die Telefonzentrale wäre in der Amanstraße 21 die Lagerhalle in der Egingerstraße. Zimmer bekommen Sie normalerweise über die HDU erreichbar unter hochwasser@hdu-deggendorf.de oder 0991/3615777. Melden Sie sich doch nochmal, wenn Sie genau wissen, wann Sie kommen. Liebe Grüße“.

Nachdem ich mein E-Mail an die Technische Universität gesandt hatte, erhielt ich auch hier in kürzester Zeit einen Anruf, bei wem wir für die Zeit der Unterstützung vor Ort übernachten konnten. Eine junge Frau aus Deggendorf hat uns unentgeltlich aufgenommen. An dieser Stelle nochmals „HERZLICHEN DANK“ an Dich liebe Nadine!

Bevor wir am 14.Juni nach Deggendorf fuhren, hatte ich noch eine kurze E-Mail an Freunde und Produzenten aus dem Landeinkauf-Sortiment versendet, mit der Anfrage von Sachspenden. Herzlichen Dank auch hier nochmal für Eure Spenden.

Deggendorf

Kurzfristige Sachspendensammlung für die Flutopfer 2013

Landeinkauf hilft!

Angekommen am Samstag 15.Juni 2013 in Deggendorf am Zentrallager wurden wir gleich freundlich empfangen. Die Spenden wurden ausgeladen und entgegengenommen. Wir meldeten uns beim Kreisjugendring an und wurden mit Adresse als Helfer aufgenommen. Schon ging es los. Das Zentrallager (Parkgarage) war gerade ein paar Tage geöffnet, die Pakete von Spenden waren in überwältigender Anzahl vorhanden. Entlang der riesigen Parkgarage waren Hunderte von Biertische und Bänke bereits aufgestellt. Eingeteilt in Warenannahme, Wareneingangskontrolle (grobe Vorsortierung) war der Bereich der verschiedenen Warengruppen (Haushaltswaren, Weißwaren, Schuhe, Kleidung, Handtücher, Kosmetik, Lebensmitteln, Matrazen, Schaufeln, Werkzeug u.v.m. bereits sehr gut eingeteilt. Die Wareneingangskontrolle brachte immer wieder Nachschub, sobald die freiwilligen Helfer die Spenden näher geprüft und auf Tischen und Bänken sauber für die Abholung durch die Flutopfer bereitgestellt hatten.

beim Entladen in der Parkgarage Deggendorf

Meinem Mann und mir wurde nur gesagt, geht einfach und fragt wo ihr helfen könnt. Obwohl hier keine feste Struktur organisiert war, klappte es einfach super super gut. Jeder Helfer war motiviert und packte da an, wo Hilfe benötigt wurde. Fantastisch! In der Handtuchabteilung konnte Hilfe gebraucht werden, so blieben wir bis Mittag und sortierten die Paketinhalte in Putzlumpen (da dreckig und mit Löcher versehen), Badehandtücher, kleine Handtücher, Gästehandtücher, Waschlappen, Geschirrtücher. Anschließend sortierten wir nach Farben, damit die ohnehin psychisch strapazierten Hochwasseropfer ohne viel Aufwand, schnell zugreifen konnten. Erschreckend war, dass manche Spender uralt Waren – teilweise aus den 70er Jahren gespendet hatten. Dreckig und Motten verfressen. Da nun auch sehr viele Putzlumpen benötigt wurden, hatten aber auch diese ihren Zweck erfüllt. Nachdem der Berg der Putzlumpen zu groß wurde, mussten die Lumpen vom KJR entsorgt werden. Durch die Entsorgung entstanden in manchen Fällen auch wieder Kosten. Schade!

Eine Frau kam mit einem Einkaufswagen der gerade mit 2 oder 3 Dingen bestückt war zu den Handtüchern. Ich fragte was Sie den für Handtücher benötige. Mit zitternder Stimme und glasigen Augen, sagte Sie mir: „Ich weiß es nicht was ich brauche, ich kann keinen klaren Gedanken fassen, dass ist alles zuviel für mich. Alles was ich habe ist die Kleidung an meinem Körper. Mein Haus steht vollkommen unter Wasser.“ Dies war für mich der erste persönliche Kontakt mit einem akutem Hochwasser-Opfer. Es war ergreifend.

Zu diesem Zeitpunkt muss man Wissen, stand z.B. in Fischerdorf noch immer die meisten Häuser voll im Wasser. Die Anwohner warteten stündlich auf die Freigabe, dass die Wassermengen kontrolliert abgelassen werden konnten. Gefreut hat es mich mitzubekommen, wie ein Flutopfer den von uns mitgebrachten und von Freunde gespendeten Hochdruckreiniger mitgenommen hat. Größere Geräte wurden vom KJR erfasst und auch namentlich notiert, wer die Waren erhielt. Gerade die wichtigen Hochdruckreiniger kamen wieder zurück in das Lager um an weitere Betroffene ausgegeben werden zu können.

Für das leibliche Wohl wurde immer gesorgt. Es fehlte an nichts. Kaffee, Tee, Kuchen, Warmes Essen, Obst, Leckereien, alles da. Nachdem wir gut gespeist hatten, die Handtücher bereits erledigt waren, fragten wir bei der Lebensmittelausgabe nach ob wir helfen konnten. Wir kamen gerade gelegen, da 3 Helfer zu Ihren Kindern nach Hause mussten. In den nächsten 1 1/2 Tagen haben mein Mann und ich Lebensmittel ausgegeben. Viele Menschen durften wir Kennenlernen und die ein oder andere persönliche Erfahrung der hereinstürzenden Flut wurde uns berichtet. Viele der Frauen hatten große und kleine blaue Flecken und Blutergüsse an den Unterarmen vom Transportieren der persönliche Dinge und Möbelstücke in das Obergeschoss. Alles musste so schnell gehen.

Die beliebtesten Lebensmitteln waren die Eintöpfe in Dosen sowie 5-Minuten-Terine, Salz, Löslicher Kaffee, Milch, Müsli, Kelloggs, Kaba und Tiernahrung. Wir hatten gewiss 12 verschiedene Eintopfarten, was ideal war für ein schnelle Küche. Zu der Zeit wurden die Flutopfer noch vom THW, Rotem Kreuz und weiteren fleißigen Helfern bekocht. Sobald der Katastrophenschutz beendet ist, müssen die Betroffenen die Selbstverpflegung wieder aufnehmen. Froh waren die Betroffenen auch einfach mal eine Schokolade zu bekommen als Nervennahrung oder auch die Kinder zu erfreuen. Da sehr viele bei Bekannten und Verwandten überbrückend ein Dach über den Kopf bekamen, konnte auch einfach als Dankeschön eine Flasche Wein oder eine Flasche Bier mitgenommen werden. Die meisten Betroffenen dachten gar nicht an sich selber sondern an den nächsten, die Kinder, den Helfern. Ein kleines Dankeschön mit einer Schokolade für die Helfer die vielleicht gerade das Haus ausräumen und den Schlamm entfernten oder ähnliches.

Jedes der Lebensmitteln wurde vorher noch auf das Mindeshaltbarkeitda

tum überprüft.

Das älteste Haltbarkeitsdatum lag zurück im Jahr 2002. Frech was manche Spenden. In der Zwischenzeit war auch die Lebensmittelspende von Landeinkauf die ich mitgebracht hatte, bei uns angekommen mit Bio Müsli, Haferflocken, Gewürzen, Fruchtaufstrich, Honig uvm. Besonders meine Frühstücksprodukte für einen guten Start in den Tag waren sehr schnell vergriffen. Da alle hart arbeiten mussten, war das Frühstück sehr wichtig. Nudeln waren Kistenweise vorhanden. Da aber noch kaum jemand einen Strom hatte, war Kochen unmöglich in diesen ersten Tagen.

Als wir ankamen am Samstag waren die vielen Tische und Bänke in der Parkgarage noch fasst leer. Unglaublich was die Helfer (ca. 180 Leute) an 2 Tagen vollbracht haben.

Da auch in Günzburg noch im nachhinein durch die ansteigenden Nebenflüsse der Donau größere Schäden verzeichnete, musste die Freiwillige Feuerwehr Günzburg –  die gerade zum Teil in Deggendorf mit half – zurück in die eigene Region um zu helfen. Ich nahm Kontakt mit dem Katastrophenschutz in Günzburg auf, die sehr erfreut waren über meine Absicht auch Spenden für die Region aus der Region zukommen zu lassen. Die Bürgerinitiative Günzburg organisiert bzw. verteilt die eingehenden Spenden. Unter dem Stichwort: „Landeinkauf-Hochwasser-Hilfe 2013 werden Spenden gerne entgegengenommen.

Es waren gerade mal 2 Tage die wir dabei sein durften. Durch meine Landeinkauf-Spenden-Hilfsaktion die noch bis zum 30.09.13 läuft, werde ich weiter mit der Unterstützung meiner Kunden von www.Landeinkauf.com einen Beitrag zum Hochwasser 2013 beisteuern. Jeder Einkauf hilft!

Ihre Roswitha Stöpfel

aus Gundelfingen an der Donau

 

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